Paul Heimbach (DUI)

Wednesday, April 8th, 2009

Paul Heimbach (24-03-2009 t/m 15-05-2009)

Buchpräsentation und Vernissage :
22.03.09 – 15:00–17:00 Uhr

Eine neue Ausstellung mit Arbeiten des deutschen Künstlers Paul Heimbach wird am Sonntag, den 22. März 2009 um 15 Uhr in der Bibliothek des Van Abbemuseums eröffnet.
In diesem Rahmen wird auch sein neuer Katalog Werkverzeichnis der Bücher und Auflagenobjekte präsentiert. Der deutsche Künstler Paul Heimbach (geboren 1946 in Euskirchen, lebt und arbeitet in Köln), stellt fragile Künstlerbücher und subtile Arbeiten auf Papier her, in denen er sich mit Serialität befasst. Strenge Regeln liegen Serien von Strukturen mit mannigfaltigen Ordnungsmöglichkeiten zugrunde.

Foto: Peter Cox

Heimbachs frühe Werke aus den 60-er Jahren sind Experimente, die auf der skizzenhaften und malerischen Darstellung von Gesetzmäßigkeiten beruhen. Für seine Tuschebilder (1968) führte er beispielsweise Experimente mit auf Wasser schwimmender Tusche durch, und die 1967/68 entstandenen Filzstiftzeichnungen erinnern an die surrealistische “écriture automatique“. Trotz dieser scheinbaren Freiheit, ist die instrumentierte Zufälligkeit bereits ein maßgebliches Element seines Frühwerks.

Foto: Peter Cox

Allmählich verändert sich Heimbachs Oeuvre hin zu einer ausdifferenzierteren Darstellung. Basierend auf Serien von Binärzahlen, kombiniert er horizontale und vertikale farbige Linien.

Durch die Fülle an Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, entstehen abstrakte Formen als magische, aus Zahlen-informationen konstruierte Quadrate. Farbfolgen und Farbskalen auf Transparentpapier werden zu Schichtsystemen mit geringen Nuancierungen, so wie in Countdown (2008), worin er 720 Permutationen einer Farbskala festlegt.

Foto: Peter Cox

Die enzyklopädische Ganzheit, die Heimbach in seinen Serien zu erreichen sucht, macht den Reiz seiner Arbeit aus. Seine Bücher und Arbeiten auf Papier, in denen alle möglichen Kombinationen der einzelnen Elemente zur Perfektion ausgearbeitet sind, sind konzeptionelle und visuelle Meisterwerke.

In der Serie Nach Daten (seit 2005), werden Daten, die in Bezug zu einzelnen Personen stehen, mittels eines rechnerischen Konzepts in ein visuelles Bild umgewandelt, das aus 200 dünnen horizontalen Linien besteht. In dieser Serie beschränkt Heimbach sich auf die Geburts- und Sterbedaten von Künstlern, Komponisten und Literaten, wobei er diese beiden Fakten jeweils in farbkodierte Linien umsetzt. Die Ergebnisse ehren auf würdevolle Weise die ereignisreichen Lebenswege der ausgewählten Persönlichkeiten. Trotz des Gebrauchs dieser eher “unpersönlichen“ und harten Fakten als Ausgangspunkt, veranschaulichen sie dennoch die Ungewissheit des logischen Prinzips. Besonders in jenen Fällen, in denen das Foto der portraitierten Person mit dem Farbmuster kombiniert wurde, zeigt sich, dass sogar “trockene“ logische Prinzipien eine subjektive und metaphorische Bedeutung entwickeln können.

Der Tageskalender (1992) zeichnet jede Minute des Tages auf. Dadurch versucht Heimbach ein Verzeichnis der Vergänglichkeit von Zeit zu erschaffen, in dem jeder beliebige Tag sich in die Struktur jedes anderen Tages einfügen lässt. Und vielleicht teilt er auch die menschliche Existenz in Vergangenheit und Gegenwart auf, aber das ist ein Schluss, den er seinen Betrachtern überlässt, denn sie sind es, die sein Werk vervollständigen.

Der Betrachter wird immer eine Lösung ersinnen, die zwischen der dargebotenen Form und dem Inhalt liegt, woraus sich, bewußt oder unbewußt,ein konzeptzionelles Verständnis zwischen Werk und Betrachter entwickelt.

Heimbachs neuer Katalog, Werkverzeichnis der Bücher und Auflagenobjekte (2009) bezieht sich auf eine Äußerung des Konzeptkünstlers Sol LeWitt: „The idea becomes a machine that makes the art“. LeWitt betrachtete das Konzept/ die Idee als einen runden Kreativ-Prozess und sah das getrennt von ihrer Ausführung. Gleichermaßen bestimmt das Konzept in Heimbachs Arbeit seine äussere Erscheinungsform und wird nach einem feststehenden System ausgeführt. Die bloße Beschäftigung mit den formalen und rationalen Assoziationen seiner Vorgehensweise wird Heimbachs Werk nicht gerecht. Die emotionalen Werte und seine imaginäre Betrachtungsweise sind schließlich unleugbare und entscheidende Facetten seiner Arbeit.

Kuratorin :
Diana Franssen, Van Abbemuseum

Kooperations-Partner :
Diese Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit
Susanne Padberg, Galerie Druck & Buch Tübingen realisiert

Foto’s

 


 

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